Fritz Gassmann
Was steckt eigentlich hinter Künstlicher Intelligenz?
Michel Flaig.
Bild: zvg
Mit dem neuen Ressortsystem und einem 15-köpfigen Gemeinderat hat Niedergösgen politisch Neuland betreten. Gemeindepräsident Michel Flaig zieht eine erste Zwischenbilanz – und spricht über Schulraumknappheit, Verkehr, die Wichtigkeit der interkommunalen Zusammenarbeit und mehr.
Michel Flaig, Niedergösgen hat seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode ein Ressortsystem mit 15-köpfigem Gemeinderat. Hat sich der Wechsel in den ersten Monaten bewährt?
Der Entscheid für ein Ressortsystem und einen 15-köpfigen Gemeinderat war bewusst und politisch nicht risikolos. Er bedeutete einen klaren Bruch mit bisherigen Strukturen. Heute, nach den ersten Monaten, kann ich sagen: Ja, der Wechsel hat sich bewährt. Die Ressortverantwortlichen sind näher an ihren Themen, Entscheidungen werden fundierter vorbereitet und politisch klarer vertreten. Das System fordert jede einzelne Person im Gemeinderat stärker – und genau das war das Ziel. Politisch bedeutet dies auch mehr Transparenz: Zuständigkeiten sind klar, Verantwortung wird übernommen. Natürlich gibt es Reibungspunkte, doch diese gehören zu einer lebendigen politischen Kultur und sind oft der Ausgangspunkt für bessere Lösungen.
Wie praktisch in allen Gemeinden wurde auch in Niedergösgen der Schulraum knapp. Nun konnte im Oktober ein Provisorium eingerichtet werden. Wie fallen die Rückmeldungen der Lehrer- und Schülerschaft aus?
Die Schulraumknappheit ist eines der zentralen Themen unserer Gemeinde und beschäftigt mich intensiv. Das Provisorium war keine ideale Lösung, sondern eine notwendige Massnahme, um kurzfristig handlungsfähig zu bleiben. Die Rückmeldungen aus der Schule sind positiv: Lehrpersonen schätzen die funktionale Umsetzung, Schülerinnen und Schüler haben sich schneller als erwartet an die neue Situation gewöhnt. Dennoch ist politisch klar: Provisorien dürfen nicht zum Dauerzustand werden. Wir stehen in der Verantwortung, nachhaltige und zukunftsfähige Lösungen zu erarbeiten – auch wenn diese mit Investitionen verbunden sind. Bildung ist keine Kostenstelle, sondern eine Investition in die Zukunft unserer Gemeinde.
Welche weiteren Highlights und Herausforderungen brachte das Jahr 2025 mit sich?
2025 war ein Jahr der Weichenstellungen. Neben der Schulraumfrage standen Infrastrukturprojekte, raumplanerische Entscheide und finanzpolitische Überlegungen im Zentrum. Ein Highlight war für mich die engagierte Mitarbeit vieler Einwohnerinnen und Einwohner in Kommissionen, Vereinen und Projekten. Gleichzeitig war das Jahr geprägt von Herausforderungen: steigende Anforderungen an die Verwaltung, zunehmende Komplexität gesetzlicher Vorgaben und der stetige Druck, mit begrenzten finanziellen Mitteln möglichst viel zu erreichen. Als Gemeindepräsident erlebe ich täglich den Spagat zwischen Erwartungen und Machbarkeit – ein Spagat, der politische Klarheit und Standfestigkeit verlangt.
Blicken wir nach vorne: Mehr Einwohner bringen nicht nur Vorteile (mitunter Steuergeld), sondern zum Teil auch neue Herausforderungen in eine Gemeinde. Der geplante Ringverkehr im Schachen aufgrund der neuen Überbauung stösst auf wenig Gegenliebe. Ist der Ärger vorprogrammiert?
Ich verstehe die Sorgen und den Unmut vieler Anwohnerinnen und Anwohner sehr gut. Verkehr ist ein emotionales Thema, weil er den Alltag unmittelbar betrifft. Gleichzeitig sage ich klar: Die bauliche Entwicklung bringt zwangsläufig Veränderungen mit sich. Der geplante Ringverkehr ist Teil eines übergeordneten Verkehrskonzepts, das Sicherheit und Verkehrsfluss verbessern soll. Politisch wäre es einfach, Widerständen auszuweichen. Verantwortungsvoll ist es, Lösungen zu vertreten, die langfristig Sinn ergeben. Entscheidend ist dabei der Dialog. Kritik nehme ich ernst, doch Stillstand ist keine Option, wenn wir unsere Gemeinde geordnet weiterentwickeln wollen.
Welche Themen werden die Gemeinde voraussichtlich sonst noch im Jahr 2026 beschäftigen?
Auch 2026 wird kein ruhiges Jahr. Schulraumplanung, Verkehr, Energieversorgung, Klimaanpassung und die finanzielle Stabilität der Gemeinden werden zentrale Themen bleiben. Zudem nimmt der Druck durch kantonale und eidgenössische Vorgaben weiter zu. Die interkommunale Zusammenarbeit wird an Bedeutung gewinnen, ebenso die Frage, wie wir als Gemeinde attraktiv bleiben – für Familien, Gewerbe und ältere Menschen. Politisch wird es darum gehen, Prioritäten zu setzen und den Mut zu haben, nicht alles gleichzeitig machen zu wollen.
Auf welche in diesem Jahr bevorstehenden Anlässe im Dorf freuen Sie sich besonders?
Trotz aller politischen Herausforderungen ist und bleibt das Dorfleben ein zentraler Pfeiler unserer Gemeinschaft. Ich freue mich besonders auf die Anlässe unserer Vereine, auf kulturelle Veranstaltungen, Feste und Begegnungen, die zeigen, wie lebendig Niedergösgen ist. Diese Momente erinnern uns daran, warum wir uns politisch engagieren: für ein Dorf, in dem man sich kennt, begegnet und wohlfühlt.
Sie haben das letzte Wort.
Niedergösgen steht vor wichtigen Entscheiden. Nicht alle werden einfach sein, nicht alle werden auf ungeteilte Zustimmung stossen. Doch ich bin überzeugt, dass Ehrlichkeit, Transparenz und Dialog die Grundlage für Vertrauen sind. Ich danke der Bevölkerung für das offene Gespräch, dem Gemeinderat für die konstruktive Zusammenarbeit und allen Freiwilligen für ihr grosses Engagement. Politik beginnt im Kleinen – und genau dort möchte ich auch künftig Verantwortung übernehmen: mit Haltung, Augenmass und dem klaren Ziel, Niedergösgen nachhaltig weiterzuentwickeln.
Interview: David Annaheim
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