Jasmine Klasen
Im Haus der Museen in Olten steht neu der Kiesel im Rampenlicht
Seit Mitte November führen Selman Halimi und Michele Macagnino den FC Olten als Co-Präsidium. Gemeinsam mit Finanz- und Marketingchef Sasa Nikolic sprechen sie im Interview über die erfolgreiche Nachwuchsarbeit, sportliche Ziele, Herausforderungen mit der Infrastruktur und darüber, wie der Verein in Olten noch präsenter werden will.
Selman Halimi und Michele Macagnino, seit wann sind Sie Teil der FCO-Familie?
Halimi: Ich bin 2003 in die Schweiz gekommen und es dauerte ein paar Jahre, bis ich überhaupt gemerkt habe, dass es hier oben im Kleinholz einen Fussballplatz gibt (schmunzelt). Eine Zeit lang habe ich dann bei den Aktiven in der 4. Liga mitgespielt. 2019 wurde ich Junioren-Obmann, ein Amt, das ich bis im vergangenen Jahr ausgeführt habe. Zudem übernahm ich 2019 die F-Junioren als Trainer. Seither habe ich im Nachwuchsbereich immer wieder mal die Stufe gewechselt und trainiere aktuell die C-Junioren. Zuletzt war ich auch noch während eines Jahres Vizepräsident.
Macagnino: Ich bin seit dem Juniorenalter beim FCO und habe bereits im Alter von fünf Jahren mit Fussball spielen begonnen. Zudem war mein Vater früher auch Präsident des Vereins. Wegen Familie und Beruf musste ich schliesslich einige Jahre kürzertreten. Nun, wo meine Kinder selbst im Fussballalter angelangt sind, bin ich wieder in den Verein hineingerutscht. Zuerst als Trainer, dann habe ich Selman auch bei seiner Tätigkeit als Junioren-Obmann unterstützt. Zuletzt war ich ein Jahr als Aktuar tätig und nun leiten wir beide den Verein seit einigen Monaten gemeinsam als Co-Präsidium. Letzteres kommt auch daher, dass wir uns schon seit der Schulzeit kennen und gut miteinander zusammenarbeiten.
Positionen im Vorstand zu besetzen, ist nie einfach. Wie gut sind Sie derzeit aufgestellt?
Nikolic: Nachdem der Vorstand zuletzt aus nur noch drei Personen bestand, ist es positiv, dass die Last nun wieder auf fünf Paar Schultern verteilt wird. Neben uns dreien sind auch noch Markus Marxer als Aktuar und Shpetim Kadriji als Juniorenobmann darin vertreten. Vakant ist aktuell einzig die Funktion des Sportchefs, was allerdings eine sehr wichtige Position ist, da dafür die nötige Expertise sowie das entsprechende Netzwerk vorhanden sein muss. Die Besetzung der Sportchef-Position ist für uns aktuell ein zentrales Thema. Wir sind überzeugt, hier zeitnah eine starke Lösung zu finden.
In der Presse ist primär die 1. Mannschaft ein Thema. Die grösste Arbeit leistet der Verein jedoch in der Nachwuchsarbeit mit zahlreichen Juniorenteams.
Nikolic: Wir haben derzeit rund 240 Junioren, was in etwa vergleichbar mit dem EHC Olten ist. Auch in der 1. und 2. Mannschaft haben wir Nachwuchsspieler integriert, was wir in den kommenden Jahren noch weiter fördern wollen. Das zeigt, dass es in der Stadt zwei grosse Sportvereine gibt, die extrem viel für die Kinder- und Jugendarbeit leisten.
Macagnino: Positiv ist aktuell zudem, dass die Jungen nicht nur aus Olten selbst kommen, sondern auch wieder vermehrt aus den umliegenden Gemeinden.
Nikolic: Die Nachfrage ist aktuell so gross, dass wir unsere Kapazitäten sorgfältig planen müssen, um weiterhin eine hohe Trainingsqualität gewährleisten zu können. Denn einfach nur Junioren aufzunehmen, ohne dass diese die entsprechende Qualität im Training erhalten, ist nicht unser Anspruch. Der zweite Punkt sind in der Folge die Trainer, die dazu benötigt werden.
Halimi: Insbesondere in den letzten zwölf Monaten sind sehr viele neue Kinder zum Verein gestossen. Fast täglich kommen Mails für Neuanmeldungen rein. Das ist auch eine Bestätigung für die Arbeit, die wir im Nachwuchsbereich geleistet haben.
Welche Voraussetzungen braucht es, um im Nachwuchsbereich Trainer zu werden?
Nikolic: Das Engagement als Trainer erfordert viel Zeit und Leidenschaft – umso wichtiger ist uns die Identifikation mit dem Verein und die Freude an der Arbeit mit den Kindern. Auch deshalb haben sich Selman und Michele als Co-Präsidium zur Verfügung gestellt: Weil sie sich mit dem Verein identifizieren. Als Trainer sollte man ein Vorbild sein, zu welchem die Jungs aufschauen. Was die Expertise und die Diplome betrifft, bietet der Verein Unterstützung, so gut es geht.
Kommen wir zur 1. Mannschaft. Diese befindet sich aktuell stabil in der oberen Tabellenhälfte auf Rang 5 mit wenig Chancen bis zum Saisonende nach ganz oben, aber auch mit einem ordentlichen Polster zu den unteren Rängen. Welche Zielsetzung gibt man mit dieser Ausgangslage vor?
Macagnino: Der Trainer muss von Seiten Vorstand keinen Erfolgsdruck fürchten. Uns ist wie erwähnt primär wichtig, dass die Jungen vermehrt integriert werden, ohne dass wir absteigen.
Halimi: Ich bin sogar guter Dinge, dass wir die zwei Punkte Abstand auf Rang drei noch gutmachen und gleichzeitig den Jungen mehr Spielminuten geben können. Wir haben eine gute Mannschaft und ein gutes Trainerteam, welche bestimmt erfolgreich sein werden.
Nikolic: Wichtig ist hinsichtlich der neuen Saison auch, dass wir Stabilität ins Team bringen. Wenn du die Jungen jetzt auf die neue Saison vorbereitest, hast du bereits einen guten Grundstein für die nächste Spielzeit gelegt. Langfristig haben wir den Anspruch, uns sportlich weiterzuentwickeln und höhere Ziele anzupeilen. Positiv ist bereits jetzt, dass wir das Durchschnittsalter vom «Eis» im Vergleich zur Vorsaison um zwei bis drei Jahre nach unten drücken konnten. Damit wollen wir die Wichtigkeit der «alten Garde» nicht kleinreden, aber auch diese kommt irgendwann an das Ende ihres Zyklus.
Macagnino: Wichtig ist für uns zudem, dass wir die Strafpunkte, sprich Gelbe und Rote Karten, möglichst verhindern.
Vor knapp einem Jahr herrschte während der Fussball-EM der Frauen eine grosse Euphorie im Land. Hat sich diese auch bei Ihnen im Verein spürbar gemacht?
Nikolic: Das Erstellen eines Mädchen-Teams war Thema an der GV, überrannt wurden wir nach der EM aber nicht mit Anfragen. Wir haben vereinzelt Mädchen in unseren Junioren-Teams, viele zieht es in der Region aber zu Fortuna Olten, wo der Mädchen- und Frauenfussball mit eigenen Teams sehr ausgeprägt ist. Hinzu kommt, dass mehr Teams stets eine Frage der Infrastruktur sind. Diesbezüglich bräuchte es entsprechend auch mehr Trainingsplätze.
Stichwort Infrastruktur: Im Rahmen des Schulhaus-Neubaus im Kleinholz, auf welchem sich zuvor ein Trainingsplatz mit Flutlichtanlage befand, hiess es seinerzeit, dass die Lichtanlage ins Fussballstadion verlegt werden soll. Einsprachen haben dem Vorhaben einen vorläufigen Strich durch die Rechnung gemacht. Was ist der aktuelle Stand der Dinge?
Nikolic: Unser aktueller Vorstand pflegt einen sehr guten Austausch mit der Stadt, was wir zu schätzen wissen. Konkret wissen wir jedoch nicht, wie es mit dem Thema Beleuchtung weitergeht, und wir erhoffen uns in naher Zukunft daher schon Infos. Aktuell trainieren wir auf drei Naturrasenplätzen, einem Kunstrasenfeld sowie auf dem Kinderfussball-Feld. Auf diesen trainieren unsere 15 Mannschaften mehrmals pro Woche. Hinzu kommen die Vereine Fortuna Olten, US Oltenese, FC Türk Olten und FC Uskana Olten, die ebenfalls Platz benötigen. Mittel- bis langfristig werden wir also neue Lösungen brauchen.
Und wenn die Sonne untergeht, ist das Fussballstadion ohne Beleuchtung unbrauchbar. Welche Probleme bringt dies mit sich?
Nikolic: Bei Partien, die abends stattfinden, müssen wir auf das Leichtathletikstadion ausweichen. Aus finanzieller Sicht ist das für den Verein finanziell sehr nachteilig, denn es besuchen dort niemals so viele Leute ein Spiel wie hier im eigentlichen Fussballstadion; nicht zuletzt, da wir hier mit der Club-Beiz Gastronomiemöglichkeiten haben, die andernorts wegfallen.
Macagnino: Und den Bandensponsoren bringt es selbstredend nichts, wenn wir nicht dort spielen, wo sie Werbung machen.
Um wie viele Partien handelt es sich konkret?
Halimi: Pro Jahr sind es etwa fünf Spiele; insbesondere die Cup-Partien unter der Woche. Aber natürlich können wir abends jeweils auch nicht auf dem Platz trainieren, sobald es dunkel ist.
Vom 13. bis 17. April findet beim FC Olten das Real Madrid Fussballcamp statt. Wie stark ist Ihr Verein darin involviert?
Halimi: Als Verein können wir Camps grundsätzlich selbst organisieren, hatten jüngst aber schlicht nicht die Zeit dafür, selbst etwas zu organisieren. Unser Ziel für die Zukunft ist es, jährlich ein solches Angebot auf die Beine stellen zu können. Mitte Mai freuen wir uns über die externe Unterstützung durch das Real Madrid Fussballcamp, welches einen guten Ruf geniesst. Am Camp nehmen eigene Nachwuchsspieler und Trainer wie auch solche von anderen Vereinen teil. Vor allem aber sind Trainer der Camps vor Ort, welche ihre eigenen Trainingsmethoden einbringen. Während der fünf Tage verpflegt der FC Olten über den Mittag alle im Clubhaus mit Pasta, Salat, Getränken etc. Am Schluss kriegen zudem alle Teilnehmer ein offizielles Fussballdress von Real Madrid.
Nikolic: In diesem Oktober organisiert der FC Olten zudem nach langer Zeit wieder ein eigenes Camp. Mit unseren C- und D-Kategorien gehen wir mit fast 80 Junioren für vier Tage nach Magglingen, wo bekannterweise eine Top-Infrastruktur geboten wird.
Nikolic: In den letzten Wochen habe ich gemerkt, dass etwas geht. Als ich mich letzten Sommer entschieden habe, das Marketing zu übernehmen, sagte ich, dass es natürlich nicht damit getan ist, einfach mal 100 Unternehmen anzuschreiben. Ich muss auf die Leute zugehen, mein Netzwerk aktivieren und bin auch sehr dankbar dafür, dass wir Leute im Verein haben, die neue Kontakte knüpfen – die Prognose ist daher sehr gut. Das Umfeld hat sich verändert – umso wichtiger ist es heute, aktiv auf Partner zuzugehen und als Verein einen echten Mehrwert für die Sponsoren zu bieten.
Wichtig ist es zudem, in der Stadt präsent zu sein. Diesen Sommer ist der FC Olten nach sechs Jahren Abstinenz wieder an der Chilbi am Start.
Nikolic: Ja, auf der Kirchgasse, direkt neben dem Noon-Imbiss haben wir unseren Stand. Es gibt Cevapcici, Pljeskavica, also Leckereien aus dem Balkan. Wir haben extra geschaut, dass wir etwas anbieten, das sich ein wenig vom restlichen Angebot unterscheidet. Uns ist aber vor allem wichtig: Wir müssen als FC Olten wieder in die Stadt.
Halimi: Grosser Beliebtheit erfreut sich zudem unser Schülerturnier, bei welchem im vergangenen Jahr rund 40 Teams am Start waren. Das nächste Turnier findet am 27. Juni statt und wir freuen uns über viele Anmeldungen.
Sie haben das letzte Wort.
Macagnino: Uns ist noch etwas wichtig: Der Vorstand kann noch so engagiert sein, aber ohne unsere Trainer, Funktionäre, Gönner und Sponsoren würde nichts gehen. Wir sind daher sehr dankbar für ihre Arbeit und Unterstützung.
Interview: David Annaheim
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