Teresa Arzberg
Die Autorin liest in Olten aus ihrem Werk.
Bis am 18. Oktober ist die neue Sonderausstellung «Kleiner Kiesel ganz gross» im Oltner Haus der Museen zu Gast. Darin wird jene Gesteinsform ins Rampenlicht gestellt, die oft und gerne übersehen wird, obwohl sie für Mensch, Tier und Pflanze eine zentrale Rolle einnimmt.
Olten Die neue Sonderausstellung im Oltner Haus der Museen widmet sich den oft übersehenen Kieselsteinen. Sie zeigt, wie vielfältig diese kleinen Steine in Farbe, Form und Herkunft sind, welche Prozesse sie geprägt haben und welche Bedeutung sie für Natur und Mensch besitzen. Überdimensionierte Kiesel, spannende Objekte, Animationen und interaktive Stationen laden Gross und Klein zu einer faszinierenden Entdeckungsreise in die verborgene Welt der Kiesel ein.
So zahlreich man ihnen begegnet, so wenig wissen viele über Kieselsteine. Ein Kiesel ist ein kleiner, meist abgerundeter Stein mit einem Durchmesser von 2 bis 63 Millimeter, der durch natürliche Prozesse wie Verwitterung, Transport und Abrieb geformt wurde. Typischerweise entstehen Kieselsteine, wenn Gesteinsstücke über längere Zeit durch Wasser in Flüssen bewegt werden und dabei ihre scharfen Kanten verlieren. Ein Kiesel ist also keine Gesteinsart, sondern eine Gesteinsform.
Die Sonderausstellung wurde zwar nicht selbst entwickelt – es ist eine Wanderausstellung des Naturmuseums Winterthur –, das Team vom Naturmuseum Olten hat sie für den Aufenthalt in der Dreitannenstadt jedoch in vielerlei Hinsicht aufgepeppt. Um die sieben überdimensionalen Kieselsteine passend in Szene zu setzen, wurde eigens ein digitales Flussbett erschaffen, das – mittels neun Beamern – auf den Dachstockboden projiziert wird. Unterstützt durch eine Geräuschkulisse mit Wasserplätschern und Geräuschen der ansässigen Fauna wähnen sich die Besucher dadurch schon fast selbst in der Natur.
«Obschon Kiesel ja grundsätzlich alle Menschen in der Schweiz betreffen, war es uns wichtig, zusätzlich einen lokalen Bezug herzustellen», erklärt Samuel Furrer, Leiter des Oltner Naturmuseums. Daher wird im Rahmen der Ausstellung auch das Kieswerk Zementi aufgegriffen, das seinen Betrieb auf dem heutigen Areal Olten SüdWest im Jahr 1997 eingestellt hatte. Seit dem Rückbau des Werks ist dort zu Teilen ein renaturiertes Schutzgebiet entstanden, das seltenen Arten wie Geburtshelferkröten, die für Kieshabitate prädestiniert sind, einen Lebensraum bietet. «Überhaupt ist man in der Schweiz bestrebt, eigene Weiher anzulegen und Kiesgruben aufzuwerten, mit dem Ziel den natürlichen Lebensraum zu kopieren», informiert die stellvertretende Naturmuseumsleiterin Jasmine Klasen. Dies nicht zuletzt als Kompensation dafür, dass die Kiesansammlungen, die sich in den Flussmündungen anstauen, regelmässig von Menschenhand abgebaut werden, was die Entstehung neuer Gewässer verhindert.
Nicht zuletzt lädt die Ausstellung auch aktiv zum Mitmachen ein. Nebst dem Handanlegen an verschiedenen Stationen können die Besucher auch selbst einen Kiesel mitbringen, wobei am Ende des Monats jeweils der «Kiesel des Monats» gekürt wird.
Ein bunter Strauss an Anlässen umrahmt derweil die Sonderausstellung: Mit dem Geologen Jürg Meyer wird beispielsweise eine Kiesbank an der Aare bei Olten unter die Lupe genommen, während Umweltingenieur Marcel Dasen über die mediterranen Arten, die sich in Olten SüdWest angesiedelt haben, referiert. Weiter können mitgebrachte Kiesel in einem Workshop verziert oder zu einem Amulett gefertigt werden und mit Naturpädagoge und Tierfilmer Bähram Alagheband werden nachts Insekten mit UV-Licht erkundet.
Das gesamte Rahmenprogramm mit Führungen, Workshops, Exkursionen und mehr sowie weitere Infos zur Sonderausstellung finden Sie online unter hausdermuseen.ch
David Annaheim
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