Bruno Rölli
Er konnte seinen Gravurladen in neue Hände übergeben
Elisabeth Hart und Rhaban Straumann.
Bild: Aissa Tripodi
Der Oltner Rhaban Straumann und Elisabeth Hart aus Leipzig sind als Schauspiel- und Satireduo «Hart auf Hart» längst ein eingespieltes Team. Mit «Wo wir hinstarren» haben sie nun ihren ersten gemeinsamen Roman veröffentlicht. Ein Interview über überraschende Begegnungen, den Umgang mit Status sowie über den «Alltag» von Kulturschaffenden.
Elisabeth Hart und Rhaban Straumann, wie haben Sie sich eigentlich kennengelernt?
Rhaban Straumann: Die unverhoffte Begegnung ergab sich nach einem Auftritt mit dem Theaterkabarettduo «Strohmann-Kauz» anlässlich der Lachmesse in Leipzig, an einem Abend, den die Oltner Kabarett-Tage mitorganisiert haben.
«Wo wir hinstarren» ist Ihr zweites gemeinsames Buch, das beim Oltner Knapp-Verlag erschienen ist. Wie kam die Zusammenarbeit ursprünglich zustande?
Elisabeth Hart: Die Zusammenarbeit mit dem Knapp-Verlag besteht seit dem ersten Buch von Rhaban Straumann; das war «Chäschpu, Balz & Meuch», ein Dreikönigsspiel. Die Zusammenarbeit von uns beiden als Schauspiel- & Satireduo «Hart auf Hart» begann durch die Pandemie.
Wann haben Sie beide letztmals irgendwohin gestarrt?
EH: Das war vermutlich in den Bergen. Oder am Meer. Vielleicht war es auch einmal ein ganz ungläubiges Starren im Rahmen einer ungewöhnlichen Begegnung. Oder auf die Zahlen der Wahlprognosen in Sachsen-Anhalt.
Die Geschichte des Romans führt von Deutschland in die Schweiz und spielt durchaus mit Länderklischees. Wie findet man beim Schreiben die richtige Dosis, damit diese nicht überstrapaziert werden?
RS: Dafür zitieren wir gerne aus einem Portrait im SRF-Kulturtipp: «Immer dann, wenn das Publikum denkt, es wisse, was das Duo als Nächstes macht, wird es eines Besseren belehrt.» Oder anders gesagt: Mit überraschenden Wendungen, wenn es unerwartet dazu kommt, immer liebevoll, mit Respekt und viel Selbstironie.
Von Beginn weg ist klar: Hier unternehmen nicht zwei eng befreundete Personen eine Reise, sondern eine Chefin und ihre bezahlte Reisebegleitung. Was hat Sie an dieser Ausgangslage gereizt?
EH: Die Situation ist unüblich, freiwillig und dennoch aus einer gewissen – wirtschaftlichen – Zwangslage erwachsen. Sie kennen sich, aber nicht allzu gut. Es geht um Status. Spannend war dabei für uns unter anderem die Frage, wie tasten sich die beiden Menschen aneinander heran.
Eine Stärke des Buches sind die zahlreichen, oft kleinen, Alltagssituationen, bei denen man als Leser/in sofort mit dem Kopf nickt und denkt: «Die Situation kommt mir bekannt vor.» Erzählt der Alltag die besten Geschichten?
EH: Definitiv. Und jedes Mal, wenn die Lesenden, Zuhörenden oder Zuschauenden denken, es sei übertrieben, müssen wir leider sagen: Das sind die Szenen, die der Wahrheit am nächsten kommen. Dennoch ist alles fiktiv, die Suche nach uns oder familiären Bezügen ist vergeblich.
Als ich Sie für das Interview kontaktierte, waren Sie gerade in den Alpen unterwegs. Auch in Ihrem Buch kommt es zu einem «Schweige-Retreat» in den Alpen. Habe ich Sie etwa beim Schweigen gestört? Und wo können Sie persönlich am besten vom Alltag abschalten?
RS: Hätten wir geschwiegen, hätte unser Telefonat vermutlich nicht stattgefunden (schmunzelt). Dennoch: Tun wir das? Abschalten. Gibt es überhaupt einen Alltag? Das ist in unserer Situation schwer zu sagen. Auf jeden Fall tun uns die Berge gut, die Natur, ein Hundespaziergang, die Bewegung grundsätzlich. Als selbstständig erwerbende Bühnenmenschen hilft uns, dass wir auf Knopfdruck abschalten können. Das erfordert jedoch reichlich Disziplin.
Gab es beim gemeinsamen Schreiben eigentlich «literarische Machtkämpfe»? Falls ja: Wer hat sie gewonnen?
RS: Wir diskutieren sehr viel und gewinnen können wir nur gemeinsam.
Haben Sie beim Schreiben bereits an eine spätere Bühnenfassung gedacht?
EH: Ursprünglich ja, im Verlaufe des Prozesses haben wir jedoch gemerkt, das Buch bleibt das Buch und wir werden damit «höchstens» Lesungen machen, jedoch in unserer ganz eigenen Manier.
RS: Deshalb schreiben wir aktuell bereits wieder ein neues Programm («ich war, du bist»), welches am 1. Februar 27 im Theater im Teufelhof Basel Premiere feiern wird. Von «Wo wir hinstarren» wird es keine Bühnenfassung geben.
Zum Schluss: Was haben Sie auf dieser gemeinsamen literarischen Reise über sich gelernt, was Sie vorher noch nicht wussten?
RS: Wir lernen uns selbst und gegenseitig laufend neu kennen, beim Schreiben eines Programms, auf der Bühne, unterwegs und im Urlaub.
EH: Da wir Privat und Beruf nur sehr schwer bis gar nicht trennen können, vermischen sich die persönlichen Erkenntnisse, weshalb wir nicht sagen können, wann wir was neu über uns gelernt haben.
RS: Toll ist, dass es geschieht.
Interview: David Annaheim
Buchvernissage:
Mittwoch, 9. September, 19.30 Uhr, Literatur und Bühne Olten
Weitere Infos zu Elisabeth Hart und Rhaban Straumann:
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